MTV-STUTTGART-WHEELERS / Integrationssport
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Die MTV-Wheelers aus Stuttgart

Eine junge Sportgruppe aus dem wilden Süden stellt sich vor.

Behinderte und nichtbehinderte Menschen an den Sport heranführen, Spaß vermitteln, Gesundheit und Eigeninitiative fördern und in den moderen Sportverein integrieren. Das sind die Ziele des MTV-Stuttgarts.

Am 15. Juli 1995 hat alles angefangen. First-meeting. Zum ersten Mal treffen sich bei sonnigem Wetter und guter Laune neugierige Anhänger der MTV-Wheelers und deren Integrationsidee in Stuttgart.

Gemeinsamer Sport Behinderter und Nichtbehinderter:

Die Wheelers kurbeln’s an

Handbike und Rennrolli sind für die meisten anwesenden behinderten und nicht-behinderten Sportlerinnen und Sportler bis dahin noch unbekannte Sportgeräte. Zur Einstimmung wird ein kurz davor gedrehter Bike- und Rennrollifilm auf einer Großlein-wand gezeigt.

Rollis sollen mit Radfahrern eine Biketour machen?

Die haben wohl ein Rad ab! Von wegen: Rad dran! Das ist die Lösung. Schraub Dir ein Handbike vor den Rolli, und lerne die Radwege auf eine neue Art zusammen mit Sportfreunden im Verein kennen.

Apropos Kennenlernen: Beim Training und Unterwegs gibt es fast immer wieder neue Bekanntschaften. Mal schöne Landschaft, mal erstaunte Mitradler, die weder den Umgang mit behinderten Menschen im Rolli, noch das Handbike kennen. Nicht selten entstehen hier interessante Unterhaltungen und Freundschaften, die zur gegen-seitigen Aufklärung beitragen.

Die nichtbehinderten Sportler sind begeistert, wie einfach das geht und umgesetzt werden kann.

So auch bei den Wheelers: Es wird ausprobiert, gekurbelt angetrieben, geschaltet, gebremst, gelacht und viel Spaß miteinander aufgebaut. Eltern und Freunde erleben den Umgang mit der Behinderung beim gemeinsamen Spaß an Sport und Spiel.

Beim Wheeler-Treff am Wochenende treffen sie alle wieder zusammen: Junge Rolli-Kids, Leistungssportler, Übungsleiter und neugierige Handbikeeinsteiger, die Geschwister, Freunde, Eltern, Behinderte und Nichtbehinderte Sportler. Mitmachen kann jeder und es werden immer mehr.

Tobias, ein begeisterter Wheeler, ist gehbehindert. Sein Papa und seine zwei Brüder wollen unbedingt sehen, ob man mit den Händen kurbeln, lenken und bremsen kann. Erst dann darf er das Handbike selbst testen. Da kann er lange warten! Die geben das Teil gar nicht mehr weiter. Tobi wird fast vergessen weil das Handbike für seine Familie plötzlich eine ganz tolle Mobilitätserweiterung ist. Endlich darf er auch mal. Zwar zuerst mal vorsichtig, aber immer mit lachendem Gesichtsausdruck. Wenn das mal kein schlechter Start ist!

So besteht immer mal die Gelegenheit, ein Handbike auszutesten. Beim gemeinsamen Losflitzen mit anderen wird radfahrenden Breitensportlern in puncto Ausdauer durchaus schon einmal gezeigt „was eine Harke ist“.

„It’s cool man“ passt nicht nur zum Wetter. Nein, Jonas meint damit die Wheelers: Alle freuen sich auf einen tollen Samstagnachmittag mit viel Fun, Rädern, Rollis, Spielen und interessanten Informationen.

Während der Saison trifft man sich mit anderen Gruppen auf  Sportveranstaltungen, tauscht Neuigkeiten und Erfahrungen aus. An Zuschauern mangelt es meist auch nicht und zu gewinnen gibt es auf jeden Fall Motivation, Selbstvertrauen und Lebens-freude und davon kann man schließlich nie genug haben. Die so wichtigen Grund-lagen für den manchmal so bitteren Alltag.

 

Die MTV-Wheelers, eine junge Sportgruppe aus den wilden Süden, die sich einiges vorgenommen hat:

Öffentlichkeitsarbeit zur Integration der Rollis durch Infostände, Aktionen, Sporttreffs und Mitarbeit an regionalen Sportveranstaltungen. Der Stuttgart-Lauf ist hier ein besonderes Highlight: Von Anfang an hat die Integrationsidee der MTV-Wheelers und die Mitarbeit im OK dafür gesorgt, dass die Teilnahme gehbehinderter Sportler fester Bestandteil der großen Sportveranstaltung ist. Das gilt auch für die Jugendwett-bewerbe der Rolli-Kids.

Hier wurde ein wesentlicher Grundstein für eine gemeinsame Zukunft Behinderter und Nichtbehinderter Sportler gesetzt. Auch beim diesjährigen 10.Stuttgart-Lauf  2003 wurde dies mit Nachdruck betont.

Freizeit, Reisen und Erleben:

Einer der ersten Höhepunkte auf der umfangreichen Aktionsliste der MTV-Wheelers ist die Reise zu den PARALYMPIC GAMES 1996 nach Atlanta/USA.

Dort wollen besonders die Wheeler-Kids mit Ihren Freunden, die aus der Motivation der behinderten Sportler gewonnene Leistungen verfolgen. Backstage können sie im Stadion direkte Kontakte zu den Medaillengewinnern und Vorbildern aufbauen.

Nach einer Woche in Atlanta geht es dann direkt weiter nach Kanada. Zwei Wochen in das Magic-Mersey-River Camp. Ein barrierefreies Outdoor-Camp mitten in den Wäldern von Nova-Scotia. Hier wohnen die Wheelers im Blockhaus und Indianer-Tipi. Eigener Fluss und großer See. Kanu- und Kajakfahren, Gemeinschaft und Natur erleben, Grenzen kennenlernen und mit neuen Ideen vorhandene Barrieren abbauen. Eine große Erfahrung für alle Teilnehmer mit und ohne Behinderung.

Sport, Leistung und Motivation aus gemeinsamen Ideen:

Mitglieder der MTV-Wheelers haben bei der Teilnahme auf internationalen Wett-bewerben viele Freundschaften geschlossen, Ideen ausgetauscht und Interessantes nach Stuttgart gebracht.

Die MTV-Wheelers leisten Unterstützungs- und Planungsarbeit bei der Integration von gehbehinderten Sportlern in regionale Veranstaltungen.

Erste Handbikewettbewerbe werden als neuer Teil bestehender Sportveranstaltungen ins leben gerufen. Auch in der Weiterentwicklung der Sportgeräte wird Unterstützungsarbeit geleistet.

Eines der ersten Jugendhandbikes wird bei den Wheelers im Training und Wettkampf eingesetzt. Sportler der MTV-Wheelers haben die ersten deutschen einteiligen Rennbikes mitgetestet, und in der Eliteklasse im Leistungssport eingesetzt. Fazit: MTV-Sportler fahren im deutschen Nationalkader im Handbike Durchschnitts-geschwindigkeiten von 35 km/h auf einer Distanz von 70 km. Motivation und Leistung die aus dem integrativen Trainingsgedanken (Handbike und Rennradtraining) resultieren. Spaß am Sport und Trainingsdisziplin behinderter und nichtbehinderten Menschen, die heute den jugendlichen Nachwuchssportlern der MTV-Wheelers beim Training optimalen Anschub und Vorbilder geben. Sich selbst und seine eigenen Ideen einbringen, Barrieren erkennen und überwinden, gemeinsam im Team trainieren und mit Freunden im Verein Spaß am Sport erleben.

Lucas, seit vier Jahren Mitglied der MTV-Wheelers kann mit 12 Jahren bereits erste große Erfolge verbuchen. Im Jahr 2003 fahrt er mit seinem Rolli und Vorspannhandbike eine Distanz von 21 km in 58 Minuten. Im September folgt sein erster Titel: Lucas wird Württembergischer Jugendmeister 2003. Für Lucas, der die Integration behinderter und nichtbehinderter Menschen im modernen Sportverein als Selbstverständlichkeit sieht, stehen als Nachwuchssportler viele Möglichkeiten offen. In Schule und Freizeit hat er auch durch den Sport viele Freunde und Fans gefunden. Interviews mit Medien steht er selbstbewusst gegenüber und berichtet offen und gerne über die Ideen der eigenen Sportgruppe in Stuttgart. Für die jüngeren Wheelies ist auch er auch schon ein kleines Vorbild.

Am 11.Oktober 2003 werden mehrere Wheelies des MTV-Stuttgart beim Handbike-Wettbewerb in Heidelberg auf verschiedenen Distanzen starten und Ihr Können zeigen. Das Dabei sein steht hier für die Gruppe im Vordergrund. Ein großes Publikum und viel Motivation werden bestimmt für Aufregung sorgen.

Kultur und Information:

Auftritte und Interviews der Wheelers und Wheeler-Kids bei Veranstaltungen im Bereich Kultur und Sport sowie in den Medien sind stets interessant und tragen mit Ihren einfachen Beispielen aus dem Sportverein zum Umgang und der Integration behinderter Menschen bei.

Die MTV-Wheelers helfen zum Beispiel den Schauspielen des Stuttgarter Staatstheaters beim Rollstuhl- und Verhaltenstraining bei den Vorbereitungen zur Aufführung der Vorstadtkrokodile (Max von der Grün). Der Intendant, Herr Schirmer bedankt sich persönlich bei der Premierenfeier für geleistete Unterstützungsarbeit und Mitwirkung an der Stuttgarter Landesbühne. Die Vorstadtkrokodile werden ein Jahr lang fast jeden Tag in Stuttgart aufgeführt.

Mitglieder der MTV-Wheelers arbeiten im Schul-Projekt „Behinderte helfen nichtbehinderten“.

Behinderte Leistungssportler gehen in Projektarbeit als Referenten an Schulen in Baden-Württemberg:

Einblicke vermitteln, Beispiele geben, Berührungsängste abbauen, gemeinsam erleben wie Menschen mit Behinderung durch Sport und Motivation viel Spaß am Leben haben.

Gemeinsam Ideen im Schulunterricht umsetzen, vermutete Grenzen in Frage stellen.

Erkennen, dass Einschränkung nicht Schwäche bedeuten muss, sondern oft neue Chancen und Wege aufzeigt.

Behinderte helfen Nichtbehinderten, damit man Sie besser versteht.